Das Röntgen ist aus der heutigen medizinischen Praxis nicht mehr wegzudenken. Ganz gleich, ob man beim Zahnarzt behandelt wird oder ein Knochenbruch versorgt werden muss: Ohne die berühmten Strahlen, die es vermögen, die Haut zu durchdringen und dem Mediziner die Knochen zu zeigen, wäre eine akkurate Versorgung nicht mehr denkbar. Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille, denn das Röntgen kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen, wenn der Patient nicht gut während der Aufnahmen geschützt wird.

Digitales Röntgen

1895: Der Sohn eines Tuchmachers verändert die Welt
Die Geschichte des Röntgens ist auch die Erzählung eines Mannes, der mit alten Traditionen gebrochen hat, um mehr für sich und die Menschheit zu erreichen – und dafür den höchsten Preis gezahlt hat. Conrad Wilhelm Röntgen war das Kind einer Tuchmacherfamilie, entschied sich aber dagegen, das florierende Geschäft seiner Vorväter weiterzuführen. Der Deutsche studierte stattdessen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Maschinenbau, denn über seine Aufnahme dort bestimmte nur eine Prüfung vor Ort und nicht das Abitur. Röntgen hatte die allgemeine Hochschulreife nie erworben.

Nach seinem Studium promovierte der lernbegierige junge Mann in der Physik und kehrte nach Deutschland zurück, wo er an der Universität Würzburg eine Festanstellung erhielt. Dort entdeckte Röntgen eine besondere Strahlung, die im Kontakt mit den Menschen nur dessen Knochen sichtbar machte und es theoretisch so ermöglichte, eine Knochenverletzung zu diagnostizieren und dabei nicht den Menschen aufschneiden zu müssen. Doch Röntgen kämpfte über Jahre damit, die Strahlung gezielt auszulösen, lediglich einen kontrollierten Bereich des menschlichen Körpers abzubilden und das Ergebnis auf einen Film zu bannen. Der entscheidende Durchbruch gelang ihm 1895: Er stellte einen Prototypen seines Röntgenapparats her, durch den er es schaffte, mit seinen Strahlen Aufnahmen zu machen und diese anschließend zu entwickeln. Der Apparat brachte reproduzierbare Ergebnisse und fand deshalb unter Medizinern großen Anklang. Bis heute basieren viele Röntgengeräte auf der ursprünglichen Apparatur ihres Namengebers.

Radioaktivität: Die schädlichen Wirkungen der Röntgenstrahlung
Fast zur selben Zeit wie Röntgen arbeitete auch Marie Curie. Die Französin entdeckte gemeinsam mit ihrem Mann Pierre das Radium und die Radioaktivität. Die Forschungsergebnisse der Curies waren Röntgen lange unbekannt. Dies wurde zu seinem Verhängnis, denn auch seine Strahlung ist radioaktiv und führt bei zu hoher Dosis zu unkontrollierten und bösartigen Missbildungen der Zellen und damit dem Krankheitsbild, das heute als “Krebs” bekannt ist. Röntgen verstarb im Jahr 1923 an Darmkrebs. Erst Jahre später entwickelte man die bis heute bekannten Bleiwesten, welche eine verhältnismäßig sichere Benutzung der Geräte ermöglichen und die Krebsgefahr sowie die Bedrohung der Strahlenkrankheit minimieren.

Ein Blick in die Zukunft: Das digitale Röntgen
Über Jahrzehnte veränderte sich das Röntgen im Prinzip nicht. Selbst das aufziehende Computerzeitalter brachte diesbezüglich keine Neuerung. Doch in den letzten Jahren konnte sich eine neue Methode durchsetzen: Digitales Röntgen. Der ursprüngliche Aufnahmeprozess bleibt dabei unverändert, weshalb auch das digitale Röntgen nicht die Gesundheitsrisiken reduziert. Doch die anschließenden Aufnahmen werden nicht mehr auf einen Film gebannt, sondern digitalisiert. Dies geschieht zumeist dadurch, dass die Bilder, die dadurch entstanden sind, dass die Strahlung, die durch die Röntgenröhre abgefeuert wurde, durch einen elektronischen Detektor eingefangen wird. Alternativ kann auch die Röntgenspeicherfolie (nachdem die Strahlung den Menschen passiert hat, werden die Partikel auf die Folie gelenkt, durch die anschließend die Bilder entwickelt werden konnten) nach Beendigung der Aufnahme eingescannt werden. Das zweite Verfahren ist günstiger, jedoch längst nicht so zuverlässig wie die erste Variante, weshalb sie deutlich seltener zum Einsatz kommt.

Die Vorteile des digitalen Röntgens
Digitales Röntgen bringt dabei einige Vorteile gegenüber der konventionellen Methode.
Die Bilder stehen wesentlich schneller zur Verfügung, da sie nicht mehr entwickelt werden müssen.
Sie eignen sich zur Nachbearbeitung, wie beispielsweise zur Erstellung von 3D-Modellen.
Die Auflösung ist wesentlich besser, weshalb feinste Brüche und Verletzungen aufgespürt werden können.
Es findet keine Abnutzung der Bilder durch zu häufige Benutzung statt.
Digitales Röntgen ist auf Dauer deutlich günstiger, weil beispielsweise das Speicherortproblem, an dem die Aufnahmen zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen, wegfällt. Auch die auf Dauer wesentlich geringeren Materialkosten begünstigen diese Entwicklung.
Eine farbige Darstellung der Aufnahmen ist möglich und erleichtert den diagnostischen Prozess.
Durch die Möglichkeit der (digitalen) Nachbearbeitung der Aufnahmen sind Wiederholungsaufnahmen nur sehr selten notwendig. Digitales Röntgen reduziert so die Strahlenbelastung für den Patienten.

Fazit: Dem Röntgen gehört die Zukunft
Die Röntgen-Aufnahme ist einer der größten medizinischen Fortschritte der Geschichte. Durch die Strahlenbelastung wurde ihr jedoch schon oft das Ende vorhergesagt, denn die Gefahr für die Patienten sei einfach zu groß. Das digitale Röntgen zeigt jedoch, dass auch in Zukunft auf den Ansatz nicht verzichtet werden kann und die Entwicklung momentan in die Richtung geht, stattdessen die Strahlenbelastung so klein wie nur möglich zu halten. Auch in Zukunft wird das dann digitale Röntgengerät deshalb nicht in den Krankenhäusern und zahlreichen Arztpraxen fehlen.

Gastautor: Denis Brediceanu

Copyright für das Bild – zur Verfügung gestellt von Denis Brediceanu: Bild © Tyler Olson – Fotolia.com

 

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